13. Juni 2014

Überlegungen zu Defibrillatoren

Unter der Überschrift "Für den Ernstfall gewappnet" berichtete das Obermain Tagblatt, dass die Raiffeisen-Volksbank der Herzog-Otto-Mittelschule in Lichtenfels einen Defibrillator gespendet habe. Der Artikel hat mich angeregt, über die Sinnhaftigkeit eines Defibrillators an einer Schule nachzudenken.

Defibrillatoren werden verwendet, wenn es zu einem Herzstillstand gekommen ist. Einen Herzstillstand kann man erleiden, wenn das Herz erkrankt ist oder wenn man einen Infarkt erleidet. Eine andere Ursache für Herzstillstand sind elektrische Stromschläge. Von den im Zeitungsartikel genannten 100.000 Fällen eines plötzlichen Herzstillstands entfallen ca. 6.000 auf Unfälle mit elektrischem Strom, davon wieder ca. 2.000 auf elektrotechnische Laien. Laien sind nämlich im Umgang mit elektrischem Strom vorsichtig.

Langer Rede kurzer Sinn: Dass jemand in der Herzog-Otto-Mittelschule einen Herzstillstand erleidet, ist höchst unwahrscheinlich. Die Wahrscheinlichkeit, in einem Jahr einen plötzlichen Herzstillstand zu erleiden, liegt bei 0,1 %. Das ist aber der Querschnitt über die ganze Bevölkerung, vom Säugling bis zum Greis. Wenn man davon ausgeht, dass die Schule nicht von Herzkranken und Greisen besucht wird, liegt die Wahrscheinlichkeit eher im Promillebereich. Ich vermute mal, dass es in der Schule noch nie zu einem plötzlichen Herzstillstand gekommen ist.

Während meines Krankenhausaufenthaltes im Frühjahr in München hatte ich Gelegenheit, mit einem Sanitäter zu sprechen. Er sagte mir, dass in München seit 13 Jahren in den U-Bahnstationen Defibrillatoren hingen. In diesen 13 Jahren seien insgesamt 16 Menschen mithilfe eines Defibrillators wiederbelebt worden. Von den 16 Helfern, die die Wiederbelebung durchführten, seien 13 vom Fach (also Ärzte, Sanitäter) und nur 3 Laien gewesen. Ob diese Menschen letztendlich überlebt haben, konnte er mir nicht sagen.

Die U-Bahn München befördert pro Jahr ca. 300 Mio. Fahrgäste, in 13 Jahren also 3,9 Mrd. Menschen. Von diesen 3,9 Mrd. Menschen wurden 16 mit einem Defibrillator wiederbelebt. Spätestens hier stellt sich die Sinnhaftigkeit eines Defibrillators an einer Schule.

5 Kommentare:

  1. Hallo,
    leider stimmen einige Fakten nicht. Defis werden nicht bei Herzstillstand
    verwendet, sondern bei Herzkammerflimmern. Das Herz verliert dabei
    die Orientierung und schafft keine adäquate Pumpleistung mehr.

    Ein Zusand, der unabhängig von Alter und Vorerkrankung jeden treffen kann.

    Natürlich kann man wahrscheinlichen berechnen. Aber ist es nicht
    jeden Euro wert, wenn nur ein Leben damit gerettet werden kann ?

    Immerhin könnte man den Faden weiter spinnen und fragen
    Feuerlöscher, Rauchmelder, Notrufsäulen, KFZ-Verbandskästen, Drehleitern...
    wie oft werden die denn gebraucht ???

    Da Sie den Sinn von flächendeckenden Defis hinterfragen gehe ich davon aus,
    dass Sie kein Befürworter des Erhalts der Rettungswache Burgkunstadt sind.
    Denn wie oft braucht man die schon.......

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    1. Sie haben Recht, ich war etwas ungenau. 85 % der plötzlichen Herztode geht ein Herzkammerflimmern voraus. Der Defibrillator hilft nur gegen das Herzkammerflimmern, allerdings auch nur in Verbindung mit der richtigen Durchführung der Herz-Lungen-Wiederbelebung (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Defibrillator).

      Allerdings ist die häufigsten Ursache (schon wieder Wahrscheinlichkeiten!) die koronare Herzkrankheit (siehe http://www.herzberatung.de/herzerkrankungen-gefaesserkrankungen/kammerflimmern-id52464.html). 80 % der Betroffenen leiden darunter. Andere Ursachen sind Herzinfarkt und Kreislaufschock (z. B. durch elektrischen Strom).

      Wenn ich den Faden in Ihrem Sinn weiterspinne, muss an jeder Straßenecke in Burgkunstadt ein Defibrillator stehen, weil ja irgendwann jemand einen benötigen könnte. Wichtiger wäre es aber, wenn viele Passanten die Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen könnten. Und was tun wir dann für die Schlaganfallpatienten, immerhin die dritthäufigste Todesursache in Deutschland?

      Ich bin für den Erhalt der Rettungswache in Burgkunstadt, weil die Sanitäter und der Notarzt teilweise mehrmals täglich ausrücken müssen, um Hilfe zu leisten, sehr oft im Stadtgebiet Burgkunstadt. Man könnte ja in Zettlitz eine zusätzliche Wache einrichten. Das ist aber den Kostenträgern zu teuer.

      Aus einer Studie der Universität Würzburg aus dem Jahr 2002 geht hervor, dass die Notärzte in Bayern durchschnittlich 9 km zum Einsatzort fahren und durchschnittlich 9 Minuten benötigen, um dort einzutreffen. Es gibt aber auch Fälle, in denen die Einsatzfahrten über 20 km gehen oder der Arzt erst nach 1 Stunde eintrifft. Kein Argument gegen die Rettungswache in Burgkunstadt, nur ein Hinweis, dass es andere Bayern schlechter haben als wir.

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  2. Hallo,
    wie Sie sicherlich wissen, sind Notrufsäulen ja auch nicht an "jeder Ecke",
    sondern sinnvoll verteilt. (Ja, es gab mal Zeiten ohne Handy). Es ist
    wie immer im Leben eine Abwägung zwischen flächendeckendem
    Sicherheitssystem und den dazu nötigen Kosten.

    M.E. ist die großflächige Verteilung von AEDs eine sinnvolle Investition
    in die Sicherheit.

    Zum Thema Rettungswache: leider wird der Bevölkerung Angst gemacht ohne offen über die Fakten zu reden. Aber das wäre sicherlich eine eigene Diskussion wehrt...

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    1. "An jeder Ecke" bezog sich auf den Kommentar vom 03. Juli, in dem von "flächendeckender" Versorgung mit Defis die Rede war. Die Überlebenswahrscheinlichkeit sinkt bei Herzkammerflimmern pro Minute um 10 %, d. h. nach 10 Minuten beträgt die Überlebenswahrscheinlichkeit praktisch 0. Der Defibrillator müsste also in ein bis zwei Gehminuten zu erreichen sein, um noch sinnvoll eingesetzt zu werden.

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    2. Das sollte auch das Ziel sein. Natürlich ist das ein stetiger Prozess. Ein flächendeckendes System ist ja nicht aus dem Hut zu zaubern.

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