18. März 2020

Unterirdisch!


Warum ich erst jetzt etwas über die Bürgerversammlung in Burgkunstadt schreibe? Ich wollte meine Eindrücke erst einmal etwas sacken lassen. Es hat aber nichts geholfen. Mein Urteil lautet trotzdem: Sie war unterirdisch, sogar schlimmer als letztes Jahr.

Sinn und Zweck der Bürgerversammlung sind in der Gemeindeordnung für den Freistaat Bayern in Art. 18 Mitberatungsrecht (Bürgerversammlung) beschrieben. Die Bürgerversammlung muss mindestens einmal jährlich stattfinden. Es dürfen nur gemeindliche Angelegenheiten besprochen werden. Es dürfen grundsätzlich nur Gemeindemitglieder das Wort erhalten. Dem Vertreter der Aufsichtsbehörde (Landratsamt) darf das Wort erteilt werden. Die Bürgerversammlung kann aber Ausnahmen von dieser Regel beschließen. Stimmberechtigt sind nur Bürger der Gemeinde. Der Gemeinderat muss innerhalb von drei Monaten Empfehlungen der Bürgerversammlung beraten.

Wie auch im letzten Jahr fand die Versammlung in einem Nebenzimmer einer Gaststätte statt. Weil das Nebenzimmer nicht ausreichte, mussten Bürger in das danebenliegende Zimmer ausweichen, das über einen Durchgang mit dem ersten Nebenzimmer verbunden ist. Aber auch hier wurde es eng. Zudem war den Gästen im zweiten Raum der Blick auf die Leinwand verwehrt, sodass sie dem ellenlangen Diavortrag von Bürgermeisterin Christine Frieß nicht folgen konnten.

Es gab wieder reichlich alkoholische Getränke und zu Futtern. Die Luft war wegen der gedrängten Sitzordnung nach einer halben Stunde zum Schneiden dick, es herrschte also, wie man so sagt, dicke Luft. Die Antworten auf die Anfragen und Anträge las die Bürgermeisterin gewohnt gekonnt von den Powerpoint-Folien ab. Nachfragen zu meinen Anfragen wollte sie nicht zulassen. Als es mir dann doch nach mehreren Anläufen gelang, nachzufragen, schallte mir aus einer Ecke gleich wieder entgegen, ich solle aus Burgkunstadt wegziehen. Ich wies die Bürgermeisterin und Moderatorin der Versammlung darauf hin, doch anstatt den Zwischenrufer in seine Schranken zu weisen, meinte sie nur, sie habe mich ja nicht beleidigt. Das veranlasste mich zu der rein rhetorischen Frage, was das für eine Scheißversammlung sei.

Wie auch letztes Mal wurden meine Anträge unter dem Beifall und Gejohle der Menge nicht angenommen. Das war sicher auch der Grund dafür, dass die Bürgermeisterin meinte, auf eine Gegenprobe, nämlich wer gegen meine Anträge sei, verzichten zu können. Gekonnt verlas Frieß die Stellungnahme der Stadtverwaltung zu meinen Anträgen von den Powerpoint-Folien ab, gab mir keine Gelegenheit, etwas aus meiner Sicht zu ergänzen und gab auch keine Gelegenheit zur Aussprache. Ein Lehrstück in Demokratie!

Filips Callens hatte einen Redebeitrag über das Demokratieverständnis in Burgkunstadt angemeldet. Aber anstatt Callens reden zu lassen, erklärte Frieß, dass in Burgkunstadt alles bestens sei. Unter dem Punkt Sonstiges nahm Callens noch einmal einen Anlauf, um sein Anliegen vorzubringen. Aber auch dieser Versuch wurde niedergebrüllt. Ich denke, die Burgkunstadter, zumindest ein Teil der Bürgerversammlungsteilnehmer, hätte doch gut daran getan, sich die Gedanken von Callens anzuhören.


Vielen Dank, liebe Wähler!


Ich bedanke mich bei meinen Wählern für ihre Stimmen und das Vertrauen, dass sie mir entgegengebracht haben. Leider hat es für ein Stadtratsmandat nicht gereicht. Denen, die mich nicht gewählt haben, das war die überwiegende Mehrheit, bin ich deswegen natürlich nicht gram. Ich habe genügend andere Aufgaben, denen ich mich widme, beispielsweise diesen Blog. Es soll mir aber keiner mehr kommen und fordern, dass ich es besser machen solle, wenn ich mal wieder Kritik üben sollte (Zwinker-Smiley).

14. März 2020

Verstoß gegen oberstes Gebot des guten Journalismus'


Eines der obersten Gebote des Journalismus‘ lautet: Bericht und Kommentar trennen. Gegen dieses Gebot hat der Redakteur des Obermain-Tagblatts, der meinen Bericht über meine Buchvorstellung am letzten Sonntag bearbeitet hat, in eklatanter Weise verstoßen. Selbstverständlich muss ein Redakteur die eingesandten Berichte überarbeiten, kürzen und sprachlich verbessern. Er darf aber nicht, weil ihm der Vortrag eines Referenten nicht passt, seine eigenen Kommentare einfügen und den Sinn der Aussagen entstellen. Es ist ihm natürlich unbenommen, zum Artikel einen Kommentar zu schreiben und diesen entsprechend zu kennzeichnen.

Meine Kernaussage zum Mobilfunk hat der Redakteur eigenmächtig durch seinen Kommentar verfälscht. Ich hatte geschrieben: „Mobilfunkstrahlung könne, bei ausreichender Intensität, nur zu einer Erwärmung führen.“ Was machte der Redakteur daraus? „Mobilfunkstrahlung könne, bei ausreichender Intensität, nur zu einer Erwärmung führen, lautete seine These. Die von vielen Wissenschaftlern wohl anders gesehen wird.“

Bei meiner Aussage handelt es sich um keine These, sondern um gesicherte naturwissenschaftliche Erkenntnisse. Ich empfehle dem Redakteur und dem interessierten Leser diesen Text der Universität Wuppertal. Ich weiß nicht, wie viele Wissenschaftler der Redakteur kennt, die das anders sehen. Darunter sind gewiss keine Physiker.

Noch mehr hat mich die Unterzeile „Nicht immer Deckungsgleich mit Wissenschaftlern“ in der gedruckten Ausgabe geärgert. Wenn der Redakteur unter dem Begriff Wissenschaftler auch berufsmäßige Esoteriker versteht, dann mag das richtig sein. Richtige Wissenschaftler halten sich an die wissenschaftliche Vorgehensweise: beobachten, messen, nachvollziehbare Versuche. Wer es genauer wissen möchte, wie wissenschaftliches Arbeiten funktioniert, dem sei dieser Vortrag der TU Dresden empfohlen.

Falls jetzt jemand noch Lust hat, meinen Originalartikel zu lesen, hier ist er:

Öffentlichkeit ist vierte Säule der Demokratie

Burgkunstadt.  Am Sonntagabend stellte Bernd Weickert sein Buch „Bernds Sicht der Dinge“ in der Produzentengalerie einem interessierten Publikum vor. Zunächst ging Weickert auf die Entstehungsgeschichte des Buches ein. Das Buch basiere auf seinem gleichnamigen Blog, so der Autor. Die Idee zu seinem Blog sei ihm 2014 gekommen, weil seine Frau es nicht gerne gesehen habe, wenn er Leserbriefe schreibe. Die Demokratie fuße auf den drei Säulen Legislative, Exekutive und Jurisdiktion. Es gebe aber noch eine vierte Säule, nämlich die Öffentlichkeit, hob Weickert hervor. Gerichtlich gegen Missstände vorzugehen, könne sehr kostspielig sein. Daher habe er sich darauf verlegt, Missstände in Burgkunstadt, aber auch überregionale Probleme, in seinem Blog öffentlich zu machen und zu kommentieren.

Sein Blog – und sein Buch – thematisierten die Bereiche „Recht“ und „Vernunft“, fuhr Weickert fort. Moderne Gesellschaften könnten nur existieren, wenn sie sich Regeln in Form einer Rechtsordnung gäben und sie auch einhielten. Leider habe er festgestellt, dass sich staatliche Organe teilweise an die sie betreffenden Gesetze nicht hielten. Als Beispiele nannte der Verfasser das Öffentlichkeitsgebot für Gemeinderatssitzungen und die gesetzlich vorgeschriebene Frist für die Verabschiedung des Gemeindehaushalts. Es gebe Gemeinden, die ihren Haushalt fristgerecht verabschiedeten, beispielsweise Marktheidenfeld und Weidhausen. Es sei aber nicht seine Aufgabe, sich in diesen Gemeinden zu erkundigen, wie das möglich sei, scherzte Weickert in Anspielung auf einen Zwischenruf in der Bürgerversammlung, sondern Aufgabe der Kämmerin, sich kundig zu machen.

Vernünftiges Handeln sieht Weickert dann vorliegen, wenn Entscheider Argumente und Fakten sachlich beurteilten, Informationen notfalls noch einmal hinterfragten und dann einen Beschluss fassten. Für Bauchentscheidungen sei bei wichtigen Angelegenheiten kein Platz.

Weickert kandidiert auf der Liste des Bürgervereins für den Stadtrat. Er habe sich das lange überlegt, aber wenn er sich mit seinem Blog so weit aus dem Fenster lehne, wolle er den Burgkunstadtern doch die Gelegenheit bieten, zu prüfen, ob er tatsächlich einige Dinge besser könne als manche amtierende Stadträte. Seinen Blog werde er aber weiterbetreiben, unabhängig vom Ausgang der Wahl. Auch im Stadtrat würde er seinen Fokus auf Recht und Vernunft legen.

Der Autor gab einige Kapitel aus seinem Buch zum Besten. Unter der Überschrift „Warum wir auf Kunststoffverpackungen nicht verzichten können“ nahm Weickert die Unart mancher Mitmenschen aufs Korn, Obst und Gemüse – insbesondere Tomaten – im Supermarkt zu begrapschen und mit Fingernägeln anzubohren. Einige Zuhörer bestätigten dem Vortragenden, dass sie selbst auch schon diese Beobachtungen gemacht hätten und dass sie ein solches Verhalten als eine Zumutung empfänden.

Das Kapitel „Strahlenangst geht um in Altenkunstadt“ führte naturgemäß zu einer längeren Diskussion. Weickert schilderte auf Nachfrage aus dem Publikum kurz die Auswirkungen von Strahlung auf Materie und auf den menschlichen Körper. Mobilfunkstrahlung könne, bei ausreichender Intensität, nur zu einer Erwärmung führen. Dafür sei aber die Strahlungsleistung von Mobiltelefonen viel zu gering. Gefährlich hingegen sei die ultraviolette Sonnenstrahlung, weil sie Elektronen aus den Molekülen der Haut freisetzen könne. Dadurch werde das Erbgut geschädigt, was zu Hautkrebs führen könne.

Es gebe seit ca. 30 Jahren in Deutschland Mobilfunk. Wenn tatsächlich vom Mobilfunk Gefahren ausgingen, hätten schon vermehrt bestimmte Krankheiten auftreten müssen. Das sei aber nicht der Fall, im Gegenteil: Seit einigen Jahren sei eine bestimmte Art von Gehirntumor in Deutschland auf dem Rückzug. Er käme aber trotzdem nicht auf die Idee, so Weickert, daraus zu schließen, dass Mobilfunkstrahlung gut gegen Gehirntumore sei.

Weickert erläuterte auch die grundsätzliche Problematik, dass man die Nichtexistenz von etwas nicht beweisen könne; man könne daher auch nicht beweisen, dass Mobilfunkstrahlung ungefährlich sei. Wenn eine Person behaupte, ein rosa Einhorn umkreise die Erde, so lasse sich diese Behauptung nicht widerlegen, man könne nur vermuten, dass es dieses Einhorn nicht gebe, weil nur diese eine Person von diesem Einhorn erzähle.

Die Wissenschaft beobachte und messe die Natur und ziehe daraus Schlüsse, erläuterte Weickert die wissenschaftliche Vorgehensweise, sie verkünde aber keine absoluten Wahrheiten. Wenn eine etablierte Theorie durch neuere Erkenntnisse widerlegt würde, so würde die Wissenschaft ihre Theorie daran anpassen. Es müsse aber immer sichergestellt sein, dass auch andere Wissenschaftler diese neuen Erkenntnisse durch Beobachtungen oder Experimente nachvollziehen könnten. Bisher sei es noch keinem Wissenschaftler gelungen, die Gefährlichkeit von Mobilfunkstrahlung durch wiederholbare Experimente nachzuweisen.

Einige Zuhörer wollten noch wissen, was es mit Erdstrahlen und Wasserstrahlen auf sich habe. Weickert erklärte, dass sich solche Strahlung mit Messgeräten nicht nachweisen lasse und diese Strahlung auch im Standardmodell der Quantenphysik nicht vorkomme. Daher müsse man davon ausgehen, dass es diese Strahlung nicht gebe. Der Autor schilderte ein Experiment, bei dem Wünschelrutengänger aus hundert mit Wasser gefüllten bzw. leeren Eimern die gefüllten Eimer herausfinden sollten. Die Wünschelrutengänger erzielten eine Trefferquote von etwa 50 %. Da die Hälfte der Eimer gefüllt gewesen sei, entspräche das einem Zufallstreffer. Trotzdem blieben die Zuhörer bei ihrer Meinung, dass wohl an den Wünschelruten etwas dran sein müsse.

Zum Abschluss las Weickert noch das Kapitel „Die Auswirkung einer Dog Station auf die Anzahl der Hundehaufen – eine episodische Untersuchung“. Dieses Kapitel verwendet die sprachliche Ausdrucksweise von wissenschaftlichen Arbeiten. Weickert wies aber darauf hin, dass es sich um keine wissenschaftliche Arbeit handle, wie der Zusatz „eine episodische Untersuchung“ schon andeute. Weickert stellte fest, dass sogar 1 m neben der Dog Station Hundehaufen gelegen hätten, eine Dog Station also keine höhere Sauberkeit in der Stadt bringe.

Die Teilnehmer spendeten dem Autor für den kurzweiligen Abend dankbar Applaus.