Ich bedanke mich bei meinen Wählern für ihre Stimmen und das
Vertrauen, dass sie mir entgegengebracht haben. Leider hat es für ein
Stadtratsmandat nicht gereicht. Denen, die mich nicht gewählt haben, das war
die überwiegende Mehrheit, bin ich deswegen natürlich nicht gram. Ich habe
genügend andere Aufgaben, denen ich mich widme, beispielsweise diesen Blog. Es
soll mir aber keiner mehr kommen und fordern, dass ich es besser machen solle,
wenn ich mal wieder Kritik üben sollte (Zwinker-Smiley).
18. März 2020
14. März 2020
Verstoß gegen oberstes Gebot des guten Journalismus'
Eines der obersten Gebote des Journalismus‘ lautet: Bericht
und Kommentar trennen. Gegen dieses Gebot hat der Redakteur des
Obermain-Tagblatts, der meinen Bericht über meine Buchvorstellung
am letzten Sonntag bearbeitet hat, in eklatanter Weise verstoßen. Selbstverständlich
muss ein Redakteur die eingesandten Berichte überarbeiten, kürzen und
sprachlich verbessern. Er darf aber nicht, weil ihm der Vortrag eines
Referenten nicht passt, seine eigenen Kommentare einfügen und den Sinn der
Aussagen entstellen. Es ist ihm natürlich unbenommen, zum Artikel einen
Kommentar zu schreiben und diesen entsprechend zu kennzeichnen.
Meine Kernaussage zum Mobilfunk hat der Redakteur
eigenmächtig durch seinen Kommentar verfälscht. Ich hatte geschrieben: „Mobilfunkstrahlung
könne, bei ausreichender Intensität, nur zu einer Erwärmung führen.“ Was machte
der Redakteur daraus? „Mobilfunkstrahlung könne, bei ausreichender Intensität,
nur zu einer Erwärmung führen, lautete seine These. Die von vielen
Wissenschaftlern wohl anders gesehen wird.“
Bei meiner Aussage handelt es sich um keine These, sondern
um gesicherte naturwissenschaftliche Erkenntnisse. Ich empfehle dem Redakteur
und dem interessierten Leser diesen Text
der Universität Wuppertal. Ich weiß nicht, wie viele Wissenschaftler der
Redakteur kennt, die das anders sehen. Darunter sind gewiss keine Physiker.
Noch mehr hat mich die Unterzeile „Nicht immer Deckungsgleich
mit Wissenschaftlern“ in der gedruckten Ausgabe geärgert. Wenn der Redakteur
unter dem Begriff Wissenschaftler
auch berufsmäßige Esoteriker versteht, dann mag das richtig sein. Richtige
Wissenschaftler halten sich an die wissenschaftliche Vorgehensweise:
beobachten, messen, nachvollziehbare Versuche. Wer es genauer wissen möchte,
wie wissenschaftliches Arbeiten funktioniert, dem sei dieser Vortrag
der TU Dresden empfohlen.
Falls jetzt jemand noch Lust hat, meinen Originalartikel zu
lesen, hier ist er:
Öffentlichkeit ist vierte Säule der Demokratie
Burgkunstadt. Am Sonntagabend stellte Bernd Weickert sein
Buch „Bernds Sicht der Dinge“ in der Produzentengalerie einem interessierten
Publikum vor. Zunächst ging Weickert auf die Entstehungsgeschichte des Buches
ein. Das Buch basiere auf seinem gleichnamigen Blog, so der Autor. Die Idee zu
seinem Blog sei ihm 2014 gekommen, weil seine Frau es nicht gerne gesehen habe,
wenn er Leserbriefe schreibe. Die Demokratie fuße auf den drei Säulen
Legislative, Exekutive und Jurisdiktion. Es gebe aber noch eine vierte Säule,
nämlich die Öffentlichkeit, hob Weickert hervor. Gerichtlich gegen Missstände
vorzugehen, könne sehr kostspielig sein. Daher habe er sich darauf verlegt,
Missstände in Burgkunstadt, aber auch überregionale Probleme, in seinem Blog
öffentlich zu machen und zu kommentieren.
Sein Blog – und sein Buch – thematisierten die Bereiche
„Recht“ und „Vernunft“, fuhr Weickert fort. Moderne Gesellschaften könnten nur
existieren, wenn sie sich Regeln in Form einer Rechtsordnung gäben und sie auch
einhielten. Leider habe er festgestellt, dass sich staatliche Organe teilweise
an die sie betreffenden Gesetze nicht hielten. Als Beispiele nannte der
Verfasser das Öffentlichkeitsgebot für Gemeinderatssitzungen und die gesetzlich
vorgeschriebene Frist für die Verabschiedung des Gemeindehaushalts. Es gebe
Gemeinden, die ihren Haushalt fristgerecht verabschiedeten, beispielsweise Marktheidenfeld
und Weidhausen. Es sei aber nicht seine Aufgabe, sich in diesen Gemeinden zu
erkundigen, wie das möglich sei, scherzte Weickert in Anspielung auf einen
Zwischenruf in der Bürgerversammlung, sondern Aufgabe der Kämmerin, sich kundig
zu machen.
Vernünftiges Handeln sieht Weickert dann vorliegen, wenn
Entscheider Argumente und Fakten sachlich beurteilten, Informationen notfalls
noch einmal hinterfragten und dann einen Beschluss fassten. Für
Bauchentscheidungen sei bei wichtigen Angelegenheiten kein Platz.
Weickert kandidiert auf der Liste des Bürgervereins für den
Stadtrat. Er habe sich das lange überlegt, aber wenn er sich mit seinem Blog so
weit aus dem Fenster lehne, wolle er den Burgkunstadtern doch die Gelegenheit
bieten, zu prüfen, ob er tatsächlich einige Dinge besser könne als manche
amtierende Stadträte. Seinen Blog werde er aber weiterbetreiben, unabhängig vom
Ausgang der Wahl. Auch im Stadtrat würde er seinen Fokus auf Recht und Vernunft
legen.
Der Autor gab einige Kapitel aus seinem Buch zum Besten.
Unter der Überschrift „Warum wir auf Kunststoffverpackungen nicht verzichten
können“ nahm Weickert die Unart mancher Mitmenschen aufs Korn, Obst und Gemüse
– insbesondere Tomaten – im Supermarkt zu begrapschen und mit Fingernägeln
anzubohren. Einige Zuhörer bestätigten dem Vortragenden, dass sie selbst auch
schon diese Beobachtungen gemacht hätten und dass sie ein solches Verhalten als
eine Zumutung empfänden.
Das Kapitel „Strahlenangst geht um in Altenkunstadt“ führte
naturgemäß zu einer längeren Diskussion. Weickert schilderte auf Nachfrage aus
dem Publikum kurz die Auswirkungen von Strahlung auf Materie und auf den
menschlichen Körper. Mobilfunkstrahlung könne, bei ausreichender Intensität,
nur zu einer Erwärmung führen. Dafür sei aber die Strahlungsleistung von
Mobiltelefonen viel zu gering. Gefährlich hingegen sei die ultraviolette
Sonnenstrahlung, weil sie Elektronen aus den Molekülen der Haut freisetzen
könne. Dadurch werde das Erbgut geschädigt, was zu Hautkrebs führen könne.
Es gebe seit ca. 30 Jahren in Deutschland Mobilfunk. Wenn
tatsächlich vom Mobilfunk Gefahren ausgingen, hätten schon vermehrt bestimmte
Krankheiten auftreten müssen. Das sei aber nicht der Fall, im Gegenteil: Seit
einigen Jahren sei eine bestimmte Art von Gehirntumor in Deutschland auf dem
Rückzug. Er käme aber trotzdem nicht auf die Idee, so Weickert, daraus zu
schließen, dass Mobilfunkstrahlung gut gegen Gehirntumore sei.
Weickert erläuterte auch die grundsätzliche Problematik,
dass man die Nichtexistenz von etwas nicht beweisen könne; man könne daher auch
nicht beweisen, dass Mobilfunkstrahlung ungefährlich sei. Wenn eine Person
behaupte, ein rosa Einhorn umkreise die Erde, so lasse sich diese Behauptung
nicht widerlegen, man könne nur vermuten, dass es dieses Einhorn nicht gebe,
weil nur diese eine Person von diesem Einhorn erzähle.
Die Wissenschaft beobachte und messe die Natur und ziehe
daraus Schlüsse, erläuterte Weickert die wissenschaftliche Vorgehensweise, sie
verkünde aber keine absoluten Wahrheiten. Wenn eine etablierte Theorie durch
neuere Erkenntnisse widerlegt würde, so würde die Wissenschaft ihre Theorie
daran anpassen. Es müsse aber immer sichergestellt sein, dass auch andere
Wissenschaftler diese neuen Erkenntnisse durch Beobachtungen oder Experimente
nachvollziehen könnten. Bisher sei es noch keinem Wissenschaftler gelungen, die
Gefährlichkeit von Mobilfunkstrahlung durch wiederholbare Experimente
nachzuweisen.
Einige Zuhörer wollten noch wissen, was es mit Erdstrahlen
und Wasserstrahlen auf sich habe. Weickert erklärte, dass sich solche Strahlung
mit Messgeräten nicht nachweisen lasse und diese Strahlung auch im
Standardmodell der Quantenphysik nicht vorkomme. Daher müsse man davon
ausgehen, dass es diese Strahlung nicht gebe. Der Autor schilderte ein
Experiment, bei dem Wünschelrutengänger aus hundert mit Wasser gefüllten bzw.
leeren Eimern die gefüllten Eimer herausfinden sollten. Die Wünschelrutengänger
erzielten eine Trefferquote von etwa 50 %. Da die Hälfte der Eimer gefüllt
gewesen sei, entspräche das einem Zufallstreffer. Trotzdem blieben die Zuhörer
bei ihrer Meinung, dass wohl an den Wünschelruten etwas dran sein müsse.
Zum Abschluss las Weickert noch das Kapitel „Die Auswirkung
einer Dog Station auf die Anzahl der Hundehaufen – eine episodische
Untersuchung“. Dieses Kapitel verwendet die sprachliche Ausdrucksweise von
wissenschaftlichen Arbeiten. Weickert wies aber darauf hin, dass es sich um
keine wissenschaftliche Arbeit handle, wie der Zusatz „eine episodische
Untersuchung“ schon andeute. Weickert stellte fest, dass sogar 1 m neben der
Dog Station Hundehaufen gelegen hätten, eine Dog Station also keine höhere
Sauberkeit in der Stadt bringe.
Die Teilnehmer spendeten dem Autor für den kurzweiligen
Abend dankbar Applaus.
13. Februar 2020
Wie halte ich mir die lästige Öffentlichkeit vom Leib?
Dienstagabend gab es die erste öffentliche Stadtratssitzung
zur Beratung des Burgkunstadter Haushalts 2020. Dieser besondere Hinweis auf „erste
öffentliche“ und die Tatsache, dass die Investitionen schon alle in einer
Tabelle eingetragen waren, nähren in mir den Verdacht, dass es vorher schon
eine nichtöffentliche Sitzung gegeben hat. Laut Gemeindeordnung sind alle
Sitzungen grundsätzlich öffentlich, mit ein paar genau geregelten Ausnahmen.
Aber ich wiederhole mich hier. So richtig öffentlich war die Sitzung gestern
auch nicht, weil sie zwar auf der Homepage der Stadt angekündigt war, aber
nicht in der Presse. Die Presse wurde erst 3 Stunden vor Sitzungsbeginn informiert.
Die Zahlen und Fakten sind alle im heutigen
Obermain-Tagblatt auf Seite 15 nachzulesen. Ich beschränke mich auf das, was
nicht in der Zeitung stand. Am Ende der Sitzung entdeckten CSU und SPD
plötzlich ihr Herz für die Jugendarbeit der Feuerwehren. Entweder wurde diese
Liebe durch den Sturm Anfang dieser Woche entfacht oder durch die bevorstehende
Kommunalwahl. Jedenfalls wurde Kämmerin Heike Eber beauftragt, 10.000 € extra
für die Jugendarbeit der Feuerwehren einzuplanen.
Bei der Aussprache zur geplanten Befliegung der Stadt kam es
zu einem demonstrativen albernen Heiterkeitsausbruch der CSU-Fraktion, weil die
Daten aus der Befliegung auch für die gesplittete Abwassergebühr verwendet
werden. Die CSU sieht anscheinend gesetzeskonformes Verhalten als Schwäche und
Witz an.
Kämmerin Eber äußerte auf eine Frage, wie andere Gemeinden
eine Angelegenheit – ich weiß nicht mehr welche – handhabten, andere Gemeinden
seien für sie kein Maßstab. Eine solche Äußerung empfinde ich als den Gipfel
der Arroganz: Alle anderen sind blöd, ich bin die hellste Kerze auf der Torte,
ich habe es nicht nötig, andere zu fragen. Ich lege Eber diese Zeilen aus dem Sesamstraßenlied
ans Herz:
„Wieso, weshalb, warum?
Wer nicht fragt bleibt dumm.“
Im Pressebericht steht, dass dem Vermögenshaushalt letztes
Jahr nichts zugeführt wurde. Das ist nicht ganz richtig: Dem Vermögenshaushalt
wurde nicht nur nichts zugeführt, rund 600.000 € wurden dem Vermögenshaushalt
sogar entnommen, um den Verwaltungshaushalt zu stopfen. Das ist laut KommHV-Kameralistik
nicht zulässig. Übrigens hat die Stadt ca. 150.000 € Rückzahlungen aus der
Baur-Parkplatzaffäre bekommen. Danke lieber Bernd, dass du letztes
Jahr ein bisschen auf den Busch geklopft hast!
Auch heuer wird der Verwaltungshaushalt dem KommHV-Kameralistik
nicht gerecht, weil dem Vermögenshaushalt die notwendigen Beträge für Tilgung
und Zinsen nicht zugeführt werden können. Wie Bürgermeisterin Christine Frieß
dann zu dieser Aussage kommt „Alle Haushaltsansätze seien sehr
verantwortungsbewusst erarbeitet worden und die Kämmerin habe die Kosten gut im
Griff“ (Obermain-Tagblatt), ist mir schleierhaft.
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